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Nachhaltige Beschaffung von
Büromöbel
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Ein neuer Leitfaden soll Einkäufern die Berücksichtigung
von nachhaltigen Kriterien erleichtern
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| Überblick |
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In Deutschland fallen jährlich mehrere Millionen Tonnen
Altmöbel an, die Herstellungsmenge liegt in der gleichen Größenordnung.
Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Möbels beträgt ca. 10 Jahre.
Durch die zunehmenden Dienstleistungs- und Verwaltungsaktivitäten
steigt die mengenmäßige Relevanz der Büromöbel am Gesamtaufkommen
an Altmöbeln. Ausgehend von der aktuellen Diskussion um die Nachhaltigkeit
unseres Wirtschaftens und den damit verbundenen Forderungen nach Stoffstromreduzierung
und Schadstofffreiheit von Produkten hat die Ökopol GmbH im Auftrag
des Bundesverbands für Umweltberatung (bfub) jetzt eine Studie erstellt,
in der konkrete Prüfkriterien für die Nachhaltigkeit von Büromöbeln
formuliert wurden. Ziel war es dabei, sowohl dem Beschaffungswesen
in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen als auch der Umweltberatung
einen Beschaffungs-Leitfaden für Bewertung und Auswahl an die Hand
zu geben. Hierfür kam die Methode der Ökobilanzierung nicht in Frage,
da bei diesem Ansatz aufgrund der aufwendigen Recherchearbeit nur
die detaillerte Betrachtung weniger Produkte möglich gewesen wäre.
Deshalb wurde über die vereinfachende Methode der ökologischen Produktbewertung
versucht, Kriterien zu entwickeln, die sowohl für EinkäuferInnen handhabbar
als auch wissenschaftlich belastbar sind. Parallel hierzu wurden
Büromöbel-Hersteller zu den ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte
befragt. Eine Übersicht der Nennungen einzelner Hersteller sowie beispielhafte
Produktbewertungen anhand der formulierten Kriterien sind ebenfalls
Bestandteil der Studie. |
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| Produktauswahl und Anwendungsbereich |
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Im Rahmen der Studie wurden solche Produkte berücksichtigt, die
zur Gruppe der Büromöbel gezählt werden. Dies sind Tische (Schreibtische),
Sitzmöbel (Stühle und Sessel), Schränke, Regale, Pulte, Stellhilfen
und Hängeregistraturen. Produkte und Artikel, die nicht bürospezifisch
sind und regelmäßig auch in anderen Einrichtungen vorkommen, wurden
nicht mit einbezogen. Dies sind z.B. Teppiche, Wandfarben, Raumteiler,
Lampen sowie elektrische und elektronische Geräte.
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Der Anwendungsbereich der Studie bezieht sich vorrangig
auf das Beschaffungswesen (insbesondere von Großabnehmern) sowie die
Umweltberatung. Anhand eines Fragebogens an die Hersteller oder Lieferanten
werden Informationen über die zu bewertenden Büromöbel eingeholt.
Die entsprerchenden Personen sollen aufgrund dieser Daten und der
Bewertungshilfe zu einer eigenständigen Produkteinschätzung kommen. |
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| Grundlage der Kriterienfestlegung |
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Aus der aktuellen Debatte um die Nachhaltigkeit(1)wurden
die zentralen Punkte auf die Produktgruppe der Büromöbel übertragen.
Für diese Produktgruppe bedeutet nachhaltig: |
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- Ressourcenschonende und emissionsarme Herstellung
- Langlebigkeit
- Emissionsfreiheit während der Nutzung
- Reparaturfähigkeit
- Nachrüstbarkeit
- Recyclingfähigkeit nach der Nutzung
- Schadlose Entsorgung
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Hieraus ergaben sich für die spätere Festlegung der
Bewertungsmaßstäbe unter anderem folgende wichtige Grundsätze (Leitparameter): |
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1) Rohstoffauswahl
Es sollen vorrangig solche Rohstoffe und Materialien eingesetzt werden,
die in ausreichendem Maße vorhanden oder regenerativ sind, und die
mit möglichst geringen Umweltbelastungen gewonnen, hergestellt oder
verarbeitet werden können. |
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2) Behandlung und Ausrüstung
Die verwendeten Materialien sollen möglichst wenig oder gar nicht
mit Zusatzstoffen behandelt sein. Insbesondere Naturprodukte wie Holz
sollen unbehandelt und in ihrer Oberflächenstruktur möglichst naturnah
belassen werden. Sowohl für eine emissionsfreie Nutzungphase wie auch
für ein Recycling auf hohem werterhaltendem Niveau und eine schadlose
Entsorgung sind diese Eigenschaften wichtige Vorausetzungen. |
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3) Materialvielfalt und Deklaration
Die Materialvielfalt soll gering sein. Speziell der Einsatz vieler
unterschiedlicher Kunststoffe wird negativ bewertet, da die spätere
sortenreine Wiederverwendung um so unwahrscheinlicher ist, je mehr
Materialien zum Einsatz kommen. Alle verwendeten Materialien
müssen gekennzeichnet sein, soweit das Material nicht eindeutig identifizierbar
ist. |
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4) Langlebigkeit
Eines der wichtigstes Merkmal bei der Stoffstromreduzierung ist die
Nutzungsdauer von Produkten. Für nachwachsende Rohstoffe muß die Nutzungsdauer
der Produkte länger sein als die Regenerationsphase der Rohstoffe.
An mineralische und fossile Einsatzstoffe müssen entsprechend längere
Lebenserwartungen der Produkte geknüpft werden. |
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5) Reparaturfähigkeit und Zerlegbarkeit
Eine wichtige Voraussetzung für die Reparaturfähigkeit ist die einfache
und vollständige Zerlegbarkeit eines Produkts. Produktteile, deren
Verschmutzung zur Verkürzung der Nutzungsdauer führt, müssen gereinigt
werden können. Die Zerlegbarkeit ist darüberhinaus eine Voraussetzung
für die sortenreine Trennung der Produktteile nach der Nutzung. |
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6) Schadlose Entsorgung
Die verwendeten Rohstoffe, wie auch deren Behandlung und Ausrüstung
müssen derart gestaltet sein, daß eine schadlose Entsorgung möglich
ist. Dies wird unter anderem durch den Verzicht auf Schadstoffe
in der Anwendung, das Vermeiden von Verbundstoffen und ein Rücknahmekonzept
des Herstellers gewährleistet.
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| Methodisches Vorgehen |
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Um zu wissenschaftlich korrekten und gleichzeitig sehr
anwendungsfreundlichen Bewertungen zu kommen, wurde bei der Entwicklung
des Instrumentariums zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Büromöbeln
die Methode der ökologischen Produktbewertung gewählt. Gemäß dem derzeitigen
Stand der Diskussionen um Produktökobilanzen wurde zur Produktbewertung
von der gesamten Lebenslinie der Produkte ausgegangen. |
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Aus den sich aus der Nachhaltigkeitdebatte ergebenden
Anforderungen sowie der derzeitigen Standardisierungsversuche von
Produktökobilanzen wurden insgesamt 28 Bewertungskriterien festgelegt,
die entlang der Lebenslinie angeordnet sind. Sie wurden speziell für
die Produktgruppe der Büromöbel formuliert. Der gesamte Bereich der
Rohstoffgewinnung sowie des Ressourcenverbrauches wird über die eingesetzten
Materialien abgebildet. Der Ressourcenverbrauch bei den eigentlichen
Produktionsprozessen wurde nicht erfaßt, da hierüber meist keine Daten
vorliegen, bzw. diese im Rahmen des Beschaffungsvorganges kaum überprüfbar
sind. Schadstoffemissionen, die bei der Herstellung entstehen, wurden
nur insoweit berücksichtigt, als sie über den Einsatz bestimmter Materialien
(z.B. H-FCKW beim Schaüumen von PUR) abbildbar sind. Tabelle 1 zeigt,
wie sich die Kriterien auf die unterschiedlichen Anforderungen aufteilen. |
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| Anforderungen |
Kriterienanzahl |
Eingesetzte Materialien
Recyclinggerechte Konstruktion
Langlebigkeit
Reparaturfähigkeit
Modulbauweise
Emissionsfreiheit
Rücknahme
Verpackungssystem
Transportmittel und Entfernung
Gesamt |
17
2
1
2
1
1
2
1
1
28 |
Tabelle 1: Überblick der erarbeiteten Kriterien |
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Jedes Kriterium wurde in einem dreistufigen Maßstab
parametrisiert. In jeder der Stufen werden mögliche Produktmerkmale
oder -eigenschaften formuliert und bewertet. Die Beschreibung der
Stufen erfolgt in der Regel qualitativ und allgemeinverständlich.
Ziel war es, einen Anwendungsbezug herzustellen, der es ermöglicht,
daß ein Anwender (z.B. im Beschaffungswesen) auf Grundlage von Herstellerangaben
eine Zuordnug für das zu bewertende Büromöbel vornehmen kann. Soweit
möglich, wurde zur weiteren Verein-fachung auf bestehende anerkannte
Öko-Label zurückgegriffen. Für jede Stufe wurde der Versuch unternommen,
die wissenschaftlich korrekten Tatsachen in allgemeinverständlichen
und nachprüfbaren Sachverhalten zu formulieren. |
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Erfüllt ein Produkt die Stufe 1 (+), so gilt das Produkt
in Bezug auf dieses Kriterium als nachhaltig. Erfüllt das Produkt
die Stufe 2 (o), so sind Schwachstellen in bezug auf dieses Kriterium
zu erkennen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte können sie jedoch
noch akzeptiert werden. Erfüllt ein Produkt nur die Stufe 3 (-), so
weist das Produkt in bezug auf dieses Kriterium eine deutliche (nicht
akzeptable) Schwachstelle auf. Die Kriterien der Stufe 3 sind so hart
formuliert, daß sie in der Gesamtbewertungnicht ausgeglichen werden
können. Ein Büromöbel, daß in mindestens einem Kriterium nur die Stufe
3 (-) erfüllt, gilt damit als nicht nachhaltig bzw. als dringend verbesserungsbedürftig. |
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Bei sechs Kriterien wurde auf eine Formulierung der
mittleren Stufe verzichtet. Dies führt zu einer klaren Ja/Nein Bewertung
in bezug auf diese Punkte. Für vier weitere Kriterien wurde die Stufe
3 (-) nicht ausformuliert. Hierbei handelt es sich um weiche Kriterien.
Das auftretende Produktmerkmal ist gegebenenfalls verbesserungsfähig.
Es führt jedoch nicht zu einem Ausschluß des Produktes. |
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Die verwendete Methode hat den Vorteil, daß über die
Festlegung von nur drei einfachen und abprüfbaren Produkteigenschaften
eine hohe Anwendbarkeit gegeben ist. |
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Hinter jeder formulierten Stufe eines jeden Kriteriums
verbirgt sich jedoch eine Vielzahl von Hintergrundinformationen, die
aufgrund der verwendeten Methode nicht völlig transparent sind. Dies
führte bei einigen kritischen Lesern zum Eindruck einer gewissen Trivialität
und Willkür in der Bewertung. Diese nicht mehr vorhandene Transparenz
ist ein eindeutiger Nachteil der Methode, der zugunsten der guten
Anwendbarkeit in Kauf genommen wurde. |
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Beispiele von Bewertungsmaßstäben
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Beispiel 1: Art der verwendeten Hölzer
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+
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Alle Holzkomponenten des Produktes sind aus Massivholz, Leimholz
(verleimte Lamellen) oder Drei-schichtplatte gefertigt |
| 0 |
Das Produkt enthält Teile aus Tischlerplatten, Funierholz
(Formteile), Sperrholz oder formal-dehydfreies und isocyanatfreies
Spanholz |
| - |
Das Produkt enthält Teile aus Spanholz, die unter Verwendung
von Formaldehyd oder Isocyanaten hergestellt wurden |
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a) Je höher der Bindemittelanteil in Holzwerkstoffen
ist, desto aufwendiger, d.h. weniger ressourcenschonend und emissionsarm
ist ihre Herstellung. Hinzu kommt die nicht bzw. nur in geringem Maße
vorhandene Reparaturfähigkeit. So sind z.B. Schrammen in Furnierhölzern
nur bis zu einer gewissen Tiefe abhobel- und abschleifbar. |
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b) Da die Möbel in der Regel nicht die einzige Formaldehydquelle
in Büroräumen sind, und da in Hinblick auf die menschliche Gesundheit
jedes Risiko weitestgehend ausgeschlossen werden soll, werden auch
Spanplatten, die den gesetzlichen Grenzwert von 0,1 ppm Ausgleichskonzentration
in der Raumluft einhalten, nicht zugelassen. |
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c) Die Herstellung von Spanplatten erfolgt derzeit in
in sehr geringen Mengen (ca. 10 - 15 %) aus Altholz. Durch den Ausschluß
von derzeit handelsüblichen Spanplatten wird somit kein etablierter
Recyclingweg für Altholz versperrt. |
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d) In den letzten drei Jahren wurde vom Wilhelm-Klauditz-Institut
ein Verfahren zum Recycling von Span- und Faserplatten entwickelt.
Derzeit werden aber nur die Hozlspäne bzw. -fasern wiedergewonnen,
nicht jedoch das wesentliche belastendere Bindemittel (Harnstoff-Formaldehyd-Harz),
das bis zu 50 % bei Spanplatten ausmacht. |
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Beispiel 2: Holzschutz
| + |
Das eingesetzte Holz ist nicht mit Holzschutzmitteln behandelt.
Insbesondere enthält es kein Formaldehyd, Pentachlorphenol,
flüchtige organische Verbindungen, arsen-, quecksilber- und
chromhaltige Verbindungen |
| 0 |
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| - |
Das eingesetzte Holz ist behandelt. Der Einsatz von Formaldehyd,
Pentachlorphenol, flüchtige organische Verbindungen, arsen-,
quecksilber-, und chromhaltigen Verbin-dungen kann nicht ausgeschlos-sen
werden |
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Dem Bewertungsmaßstab liegen folgende Informationen
zu Grunde: |
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a) Die genannten Stoffe sind lt. Gefahrstoffliste entweder
als giftig (Arsenverbindungen, Formaldehyd), sehr giftig (Pentachlorphenol,
Quecksilber-, Chromverbindungen) und teilweise als krebserzeugend
(Formaldehyd, Pentachlorphenol) einzustufen. Flüchtige organische
Verbindungen können ebenfalls giftig sein. Für die genannten Stoffe
gibt es teilweise produktbezogene gesetzliche Grenzwerte, produktbezogene
Verbote bestehen nicht. |
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b) Die aufgelisteten Stoffe werden häufig in Holzschutzmitteln
eingesetzt und es bestehen entsprechende Nachweisverfahren, bei denen
speziell nach diesen Stoffen ”gefahndet” wird, so daß Informationen
hierüber zur Verfügung stehen können. |
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Beispiel 3: Trennbarkeit der Komponenten
| + |
Alle Verbindungen sind mit der Hand oder mit gängigem Werkzeug
lösbar. Das Lösen ist ohne Fachkenntnisse möglich. Nietverbindungen,
Heftungen, Schweißverbindungen, Pressungen werden nicht eingesetzt.
Klebeverbindungen kommen nicht vor |
| 0 |
Bestehende Verbindungen sind mit Spezialwerkzeugen zu lösen
oder
Klebe- und sonstige unlösbare Verbindungen sind vorhanden, bestehen
aber nur zwischen Teilen aus gleichen Materialien |
| - |
Bestehende Verbindungen sind nicht oder nur von Fachwerkstätten
lösbar. Es gibt Nietverbindungen, Heftungen, Schweißverbin-dungen,
Pressungen oder Klebeverbindungen zwischen verschiedenen Materialien |
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Dem Bewertungsmaßstab liegen folgende Informationen zu Grunde:
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a) Ein Produkt ist nur dann recyclingfähig und reparaturfähig,
wenn Teile aus unterschiedlichen Materialien voneinander getrennt
werden können. |
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b) Es muß u.U. davon ausgegangen werden, daß eine Person,
die nach der Nutzung die Zerlegung des Produktes vornimmt nicht über
ausreichende Kenntnisse in der Materialkunde oder über eine große
Auswahl an Spezialwerkzeugen verfügt. Eine spätere recyclinggerechte
Zerlegung des Produktes ist umso wahrscheinlicher, je unkomplizierter
der Zerlegevorgang und je einfacher das hierfür notwendige Werkzeug
ist. |
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c) Untrennbare Verbindungen zwischen Komponenten aus
gleichen Materialien behindern die Reparaturfähigkeit. Sie können
jedoch der gleichen Recyclingfraktion zugeordnet werden und führen
daher nicht zu einer Ausschlußbewertung. |
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Alle 28 Kriterien und die zugehörigen Bewertungsmaßstäbe
wurden in entsprechender Weise hergeleitet. |
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Marktrecherche
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Um die Anwendbarkeit der Bewertungsmaßstäbe zu überprüfen
und zur Veranschaulichung für die Einkäufer wurde eine Reihe von Gesprächen
mit Möbelherstellern geführt sowie sieben Büromöbel auf Basis von
Herstellerangaben beispielhaft bewertet. Die Stichprobe zeigt, daß
bei 23 Kriterien mindestens einmal eine positive Bewertung (+) erfolgte
und daß darüberhinaus Produkte auf dem Markt sind, die in allen 28
Kiterien mindestens die Stufe 2 (o) erfüllen. |
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Zur Erleichterung des Einstiegs in die nachhaltige Beschaffung
von Büromöbeln wurde im Rahmen einer Marktrecherche bei 88 Herstellern
nach Informationen über die ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte
gefragt. Beeindruckend war dabei deren großes Interesse am Thema:
Von den Herstellern, mit denen telefonisch Kontakt aufgenommen wurde,
wollten sich 97 % an der Befragung beteiligen. Der Anteil der Büromöbel-Hersteller,
die fristgerecht antworteten war mit 31 % zwar geringer, es zeigte
sich jedoch, daß die meisten dieser Hersteller (89 %) sich mit den
ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte besonders intensiv auseinandergesetzt
hatten. Es wurden diejenigen Hersteller mit ihren Nennungen aufgelistet,
die zu mindestens 10 der 28 Kriterien Aussagen machen konnten ohne
jedoch die Merkmale einzelner Produkte zu bewerten. Inwieweit die
Kriterien der Nachhaltigkeit von den Büromöbeln tatsächlich erfüllt
werden, konnte nur beispielhaft (s.o.) überprüft werden. |
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Der Leitfaden für die Einkäufer umfaßt darüberhinaus
eine Handlungsanleitung, einen Fragebogen, der an die Hersteller geschickt
werden kann sowie den vom Einkäufer auszufüllenden Bewertungsbogen |
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| Resonanzen und Fazit |
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Während sich einzelne Hersteller von Massivholzmöbeln
in den formulierten Kriterien erstmals in ihren jahrelangen Bemühungen
um ökologisch einwandfreie Produkte bestätigt sahen (WASA Möbel, In
Casa Massivholzmöbel), reagierten andere mit teils heftiger Kritik
auf die Diskriminierung einzelner Materialien. Ohne Nennung der jeweiligen
Kritiker und Kritikerinnen soll im folgenden der Tenor der einzelnen
Anmerkungen ohne Kommentierung wiedergegeben werden: |
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a) Aluminium
In der Studie wird der Einsatz von Aluminium in Büromöbeln toleriert,
aber nicht als nachhaltig bewertet. Nach Auffassung zweier Metallverbände
erfüllt Aluminium hingegen die Kriterien der Nachhaltigkeit. |
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b) Spanplatten
Die Bewertung von Spanplatten als akzeptable Schwachstelle (o) bei
Formaldehyd- bz.w Isocyanatverzicht bzw. als nicht nachhhaltig (-)
bei Verwendung von Formaldehyd bzw. Isocyanaten wurde von einem Möbelhersteller
kritisiert, da hierin der einzige Verwertungsweg für Industrieresthölzer
sowie für Stangenhölzer aus der Forstwirtschaft gesehen wird. Darüberhinaus
wurde bezweifelt, daß genügend Vollholz zur Verfügung steht, um alle
Büromöbel aus Massivholz herzustellen. |
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c) Verbundverpackungen
In der Studie wird der Einsatz von Altmaterialien wie z.B. Verbundverpackungen
ausgeschlossen. Hersteller von Materialien aus Verbundverpackungen
sind der Meinung, daß beim Einsatz dieser Altstoffe die Qualitätseigenschaften
des Materials weitgehend genutzt werden und es sich damit nicht,
wie sonst häufig vermutet, um ein Downcycling bzw. eine versteckte
Abfallentsorgung handelt. Platten aus diesen Materialien sind sogar
besser recyclingfähig als Systeme aus Faser- oder Spanholz.
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d) Methodik
Es wurde vereinzelt kritisiert, daß die vereinfachte Anwendung von
Bewertungsmaßstäben keiner ökobilanzellen Bewertung standhalten
würde, und daß nur durch Produktökobilanzen die wirklich nachhaltigen
Produkte identifiziert werden können.
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Alle Anmerkungen und Kritiken werden derzeit weder von
den Verfassern noch vom Herausgeber der Studie geteilt, da sie bisher
nicht in ausreichendem Maße begründet werden konnten. Dennoch
soll nicht ausgeschlossen werden, daß einzelne Maßstäbe der Studie
durch neue wissenschaftliche Erkenntnise überdacht oder modifiziert
werden müssen. Dies wird nur durch weitergehende Recherchen
z.B. im Rahmen von Produktökobilanzen nachprüfbar sein. |
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Die Vorteile der ökologischen Produktbewertung in der
dargestellten Form liegen in ihrer leichten Handhabbarkeit und
geringen Zeit- und damit Kostenintensität. Die Nachteile liegen in
der z.T. nicht unmittelbar nachvollziehbaren Begründung für die Festlegung
einzelner Bewertungsmaßstäbe. Diese mangelnde Transparenz der Methode
ist sicherlich ein Grund für die vielen kritischen Resonanzen von
Rohstofflieferanten und Büromöbelherstellern. Die ökologische Produktbewertung
kann zur orientierenden Bewertung von Produkten genutzt werden. Die
Studie soll eine Hilfestellung für die ökologische Einordnung von
Büromöbeln geben und einen Diskussionsprozeß aller Beteiligten entlang
der Lebenslinie in Gang setzen. Die Studie ersetzt nicht die Erstellung
von Produktökobilanzen, die auf rein quantitativer Basis einzelne
Produkte oder Produktpaare analysieren und bewerten. |
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| Literatur |
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1 Loske, R. und R. Bleischwitz: Zukunftsfähiges
Deutschland. Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.
Birkhäuser Verlag: Schweiz 1996. |
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| Kontakt |
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Ökopol: Dr.
Dieter Grossmann |
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Die Studie ”Nachhaltige Beschaffung von Büromöbeln ”
ist zu beziehen über den Bundesverband
für Umweltberatung e.V., Bornstraße 12-13, D-28195 Bremen.
Tel. 0421/34 34 00, FAX: 0421/347 87 14 |
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