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Nachhaltige Beschaffung von Büromöbel
 
 
 
Ein neuer Leitfaden soll Einkäufern die Berücksichtigung von nachhaltigen Kriterien erleichtern
   
 
Von Angelika Grauer und Dr. Dieter Großmann
(Veröffentlichung in: Müllmagazin Nr. 1/1997)
 
   
Überblick
  In Deutschland fallen jährlich mehrere Millionen Tonnen Altmöbel an, die Herstellungsmenge liegt in der gleichen Größenordnung. Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Möbels beträgt ca. 10 Jahre. Durch die zunehmenden Dienstleistungs- und Verwaltungsaktivitäten steigt die mengenmäßige Relevanz der Büromöbel am Gesamtaufkommen an Altmöbeln. Ausgehend von der aktuellen Diskussion um die Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftens und den damit verbundenen Forderungen nach Stoffstromreduzierung und Schadstofffreiheit von Produkten hat die Ökopol GmbH im Auftrag des Bundesverbands für Umweltberatung (bfub) jetzt eine Studie erstellt, in der konkrete Prüfkriterien für die Nachhaltigkeit von Büromöbeln formuliert wurden. Ziel war es dabei, sowohl dem Beschaffungswesen in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen als auch der Umweltberatung einen Beschaffungs-Leitfaden für Bewertung und Auswahl an die Hand zu geben. Hierfür kam die Methode der Ökobilanzierung nicht in Frage, da bei diesem Ansatz aufgrund der aufwendigen Recherchearbeit nur die detaillerte Betrachtung weniger Produkte möglich gewesen wäre. Deshalb wurde über die vereinfachende Methode der ökologischen Produktbewertung versucht, Kriterien zu entwickeln, die sowohl für EinkäuferInnen handhabbar als auch wissenschaftlich belastbar sind.  Parallel hierzu wurden Büromöbel-Hersteller zu den ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte befragt. Eine Übersicht der Nennungen einzelner Hersteller sowie beispielhafte Produktbewertungen anhand der formulierten Kriterien sind ebenfalls Bestandteil der Studie.
 
   
Produktauswahl und Anwendungsbereich
 

Im Rahmen der Studie wurden solche Produkte berücksichtigt, die zur Gruppe der Büromöbel gezählt werden. Dies sind Tische (Schreibtische), Sitzmöbel (Stühle und Sessel), Schränke, Regale, Pulte, Stellhilfen und Hängeregistraturen.  Produkte und Artikel, die nicht bürospezifisch sind und regelmäßig auch in anderen Einrichtungen vorkommen, wurden nicht mit einbezogen. Dies sind z.B. Teppiche, Wandfarben, Raumteiler, Lampen sowie elektrische und elektronische Geräte.

 
  Der Anwendungsbereich der Studie bezieht sich vorrangig auf das Beschaffungswesen (insbesondere von Großabnehmern) sowie die Umweltberatung. Anhand eines Fragebogens an die Hersteller oder Lieferanten werden Informationen über die zu bewertenden Büromöbel eingeholt. Die entsprerchenden Personen sollen aufgrund dieser Daten und der Bewertungshilfe zu einer eigenständigen Produkteinschätzung kommen.
   
   
Grundlage der Kriterienfestlegung
  Aus der aktuellen Debatte um die Nachhaltigkeit(1)wurden die zentralen Punkte  auf die Produktgruppe der Büromöbel übertragen. Für diese Produktgruppe bedeutet nachhaltig:
   
 
  • Ressourcenschonende und emissionsarme Herstellung
  • Langlebigkeit
  • Emissionsfreiheit während der Nutzung
  • Reparaturfähigkeit
  • Nachrüstbarkeit
  • Recyclingfähigkeit nach der Nutzung
  • Schadlose Entsorgung
   
  Hieraus ergaben sich für die spätere Festlegung der Bewertungsmaßstäbe unter anderem folgende wichtige Grundsätze (Leitparameter):
   
  1) Rohstoffauswahl
Es sollen vorrangig solche Rohstoffe und Materialien eingesetzt werden, die in ausreichendem Maße vorhanden oder regenerativ sind, und die mit möglichst geringen Umweltbelastungen gewonnen, hergestellt oder verarbeitet werden können.
   
  2) Behandlung und Ausrüstung
Die verwendeten Materialien sollen möglichst wenig oder gar nicht mit Zusatzstoffen behandelt sein. Insbesondere Naturprodukte wie Holz sollen unbehandelt und in ihrer Oberflächenstruktur möglichst naturnah belassen werden. Sowohl für eine emissionsfreie Nutzungphase wie auch für ein Recycling auf hohem werterhaltendem Niveau und eine schadlose Entsorgung sind diese Eigenschaften wichtige Vorausetzungen.
   
  3) Materialvielfalt und Deklaration
Die Materialvielfalt soll gering sein. Speziell der Einsatz vieler unterschiedlicher Kunststoffe wird negativ bewertet, da die spätere sortenreine Wiederverwendung um so unwahrscheinlicher ist, je mehr Materialien zum Einsatz kommen.  Alle verwendeten Materialien müssen gekennzeichnet sein, soweit das Material nicht eindeutig identifizierbar ist.
   
  4) Langlebigkeit
Eines der wichtigstes Merkmal bei der Stoffstromreduzierung ist die Nutzungsdauer von Produkten. Für nachwachsende Rohstoffe muß die Nutzungsdauer der Produkte länger sein als die Regenerationsphase der Rohstoffe. An mineralische und fossile Einsatzstoffe müssen entsprechend längere Lebenserwartungen der Produkte geknüpft werden.
   
  5)  Reparaturfähigkeit und Zerlegbarkeit
Eine wichtige Voraussetzung für die Reparaturfähigkeit ist die einfache und vollständige Zerlegbarkeit eines Produkts. Produktteile, deren Verschmutzung zur Verkürzung der Nutzungsdauer führt, müssen gereinigt werden können. Die Zerlegbarkeit ist darüberhinaus eine Voraussetzung für die sortenreine Trennung der Produktteile nach der Nutzung.
   
 

6) Schadlose Entsorgung 
Die verwendeten Rohstoffe, wie auch deren Behandlung und Ausrüstung müssen derart gestaltet sein, daß eine schadlose Entsorgung möglich ist. Dies wird unter anderem durch den Verzicht auf Schadstoffe in der Anwendung, das Vermeiden von Verbundstoffen und ein Rücknahmekonzept des Herstellers gewährleistet.

   
Methodisches Vorgehen
  Um zu wissenschaftlich korrekten und gleichzeitig sehr anwendungsfreundlichen Bewertungen zu kommen, wurde bei der Entwicklung des Instrumentariums zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Büromöbeln die Methode der ökologischen Produktbewertung gewählt. Gemäß dem derzeitigen Stand der Diskussionen um Produktökobilanzen wurde zur Produktbewertung von der gesamten Lebenslinie der Produkte ausgegangen.
   
  Aus den sich aus der Nachhaltigkeitdebatte ergebenden Anforderungen sowie der derzeitigen Standardisierungsversuche von Produktökobilanzen wurden insgesamt 28 Bewertungskriterien festgelegt, die entlang der Lebenslinie angeordnet sind. Sie wurden speziell für die Produktgruppe der Büromöbel formuliert. Der gesamte Bereich der Rohstoffgewinnung sowie des Ressourcenverbrauches wird über die eingesetzten Materialien abgebildet. Der Ressourcenverbrauch bei den eigentlichen Produktionsprozessen wurde nicht erfaßt, da hierüber meist keine Daten vorliegen, bzw. diese im Rahmen des Beschaffungsvorganges kaum überprüfbar sind. Schadstoffemissionen, die bei der Herstellung entstehen, wurden nur insoweit berücksichtigt, als sie über den Einsatz bestimmter Materialien (z.B. H-FCKW beim Schaüumen von PUR) abbildbar sind. Tabelle 1 zeigt, wie sich die Kriterien auf die unterschiedlichen Anforderungen aufteilen.
   
 
Anforderungen Kriterienanzahl
Eingesetzte Materialien 
Recyclinggerechte Konstruktion
Langlebigkeit
Reparaturfähigkeit
Modulbauweise
Emissionsfreiheit
Rücknahme
Verpackungssystem
Transportmittel und Entfernung
Gesamt 
17
2
1
2
1
1
2
1
1
28
Tabelle 1: Überblick der erarbeiteten Kriterien
   
  Jedes Kriterium wurde in einem dreistufigen Maßstab parametrisiert. In jeder der Stufen werden mögliche Produktmerkmale oder -eigenschaften formuliert und bewertet. Die Beschreibung der Stufen erfolgt in der Regel qualitativ und allgemeinverständlich. Ziel war es, einen Anwendungsbezug herzustellen, der es ermöglicht, daß ein Anwender (z.B. im Beschaffungswesen) auf Grundlage von Herstellerangaben eine Zuordnug für das zu bewertende Büromöbel vornehmen kann. Soweit möglich, wurde zur weiteren Verein-fachung auf bestehende anerkannte Öko-Label zurückgegriffen. Für jede Stufe wurde der Versuch unternommen, die wissenschaftlich korrekten Tatsachen in allgemeinverständlichen und nachprüfbaren Sachverhalten zu formulieren.
   
  Erfüllt ein Produkt die Stufe 1 (+), so gilt das Produkt in Bezug auf dieses Kriterium als nachhaltig. Erfüllt das Produkt die Stufe 2 (o), so sind Schwachstellen in bezug auf dieses Kriterium zu erkennen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte können sie jedoch noch akzeptiert werden. Erfüllt ein Produkt nur die Stufe 3 (-), so weist das Produkt in bezug auf dieses Kriterium eine deutliche (nicht akzeptable) Schwachstelle auf. Die Kriterien der Stufe 3 sind so hart formuliert, daß sie in der Gesamtbewertungnicht ausgeglichen werden können. Ein Büromöbel, daß in mindestens einem Kriterium nur die Stufe 3 (-) erfüllt, gilt damit als nicht nachhaltig bzw. als dringend verbesserungsbedürftig.
   
  Bei sechs Kriterien wurde auf eine Formulierung der mittleren Stufe verzichtet. Dies führt zu einer klaren Ja/Nein Bewertung in bezug auf diese Punkte. Für vier weitere Kriterien wurde die Stufe 3 (-) nicht ausformuliert. Hierbei handelt es sich um weiche Kriterien. Das auftretende Produktmerkmal ist gegebenenfalls verbesserungsfähig. Es führt jedoch nicht zu einem Ausschluß des Produktes.
   
  Die verwendete Methode hat den Vorteil, daß über die Festlegung von nur drei einfachen und abprüfbaren Produkteigenschaften eine hohe Anwendbarkeit gegeben ist.
   
  Hinter jeder formulierten Stufe eines jeden Kriteriums verbirgt sich jedoch eine Vielzahl von Hintergrundinformationen, die aufgrund der verwendeten Methode nicht völlig transparent sind. Dies führte bei einigen kritischen Lesern zum Eindruck einer gewissen Trivialität und Willkür in der Bewertung. Diese nicht mehr vorhandene Transparenz ist ein eindeutiger Nachteil der Methode, der zugunsten der guten Anwendbarkeit in Kauf genommen wurde.
   

Beispiele von Bewertungsmaßstäben

 

Beispiel 1: Art der verwendeten Hölzer 
 +
Alle Holzkomponenten des Produktes sind aus Massivholz, Leimholz (verleimte Lamellen) oder Drei-schichtplatte gefertigt
 0  Das Produkt enthält Teile aus Tischlerplatten, Funierholz (Formteile), Sperrholz oder formal-dehydfreies und isocyanatfreies Spanholz
 -  Das Produkt enthält Teile aus Spanholz, die unter Verwendung von Formaldehyd oder Isocyanaten hergestellt wurden

   
  a) Je höher der Bindemittelanteil in Holzwerkstoffen ist, desto aufwendiger, d.h. weniger ressourcenschonend und emissionsarm ist ihre Herstellung. Hinzu kommt die nicht bzw. nur in geringem Maße vorhandene Reparaturfähigkeit. So sind z.B. Schrammen in Furnierhölzern nur bis zu einer gewissen Tiefe abhobel- und abschleifbar.
   
  b) Da die Möbel in der Regel nicht die einzige Formaldehydquelle in Büroräumen sind,  und da in Hinblick auf die menschliche Gesundheit jedes Risiko weitestgehend ausgeschlossen werden soll, werden auch Spanplatten, die den gesetzlichen Grenzwert von 0,1 ppm Ausgleichskonzentration in der Raumluft einhalten,  nicht zugelassen.
   
  c) Die Herstellung von Spanplatten erfolgt derzeit in in sehr geringen Mengen (ca. 10 - 15 %) aus Altholz. Durch den Ausschluß von derzeit handelsüblichen Spanplatten wird somit kein etablierter Recyclingweg für Altholz versperrt.
   
  d) In den letzten drei Jahren wurde  vom Wilhelm-Klauditz-Institut ein Verfahren zum Recycling von Span- und Faserplatten entwickelt. Derzeit werden aber nur die Hozlspäne bzw. -fasern wiedergewonnen, nicht jedoch das wesentliche belastendere Bindemittel (Harnstoff-Formaldehyd-Harz), das bis zu 50 % bei Spanplatten ausmacht.
   
  Beispiel 2: Holzschutz
 +  Das eingesetzte Holz ist nicht mit Holzschutzmitteln behandelt. Insbesondere enthält es kein Formaldehyd, Pentachlorphenol, flüchtige organische Verbindungen, arsen-, quecksilber- und chromhaltige Verbindungen
 0 
 -  Das eingesetzte Holz ist behandelt. Der Einsatz von Formaldehyd, Pentachlorphenol, flüchtige organische Verbindungen, arsen-, quecksilber-, und chromhaltigen Verbin-dungen kann nicht ausgeschlos-sen werden
   
  Dem Bewertungsmaßstab liegen folgende Informationen zu Grunde:
   
  a) Die genannten Stoffe sind lt. Gefahrstoffliste entweder als giftig (Arsenverbindungen, Formaldehyd), sehr giftig (Pentachlorphenol, Quecksilber-, Chromverbindungen) und teilweise als  krebserzeugend (Formaldehyd, Pentachlorphenol) einzustufen. Flüchtige organische Verbindungen können ebenfalls giftig sein. Für die genannten Stoffe gibt es teilweise produktbezogene gesetzliche Grenzwerte, produktbezogene Verbote bestehen nicht.
   
  b) Die aufgelisteten Stoffe werden häufig in Holzschutzmitteln eingesetzt und es bestehen entsprechende Nachweisverfahren, bei denen speziell nach diesen Stoffen ”gefahndet” wird, so daß Informationen hierüber zur Verfügung stehen können.
   
  Beispiel 3: Trennbarkeit der Komponenten
 +  Alle Verbindungen sind mit der Hand oder mit gängigem Werkzeug lösbar. Das Lösen ist ohne Fachkenntnisse möglich. Nietverbindungen, Heftungen, Schweißverbindungen, Pressungen werden nicht eingesetzt. Klebeverbindungen kommen nicht vor
 0  Bestehende Verbindungen sind mit Spezialwerkzeugen zu lösen oder
Klebe- und sonstige unlösbare Verbindungen sind vorhanden, bestehen aber nur zwischen Teilen aus gleichen Materialien
 -  Bestehende Verbindungen sind nicht oder nur von Fachwerkstätten lösbar. Es gibt Nietverbindungen, Heftungen, Schweißverbin-dungen, Pressungen oder Klebeverbindungen zwischen verschiedenen Materialien
   
 


 

Dem Bewertungsmaßstab liegen folgende Informationen zu Grunde:

   
  a) Ein Produkt ist nur dann recyclingfähig und reparaturfähig, wenn Teile aus unterschiedlichen Materialien voneinander getrennt werden können.
   
  b) Es muß u.U. davon ausgegangen werden, daß eine Person, die nach der Nutzung die Zerlegung des Produktes vornimmt nicht über ausreichende Kenntnisse in der Materialkunde oder über eine große Auswahl an Spezialwerkzeugen verfügt. Eine spätere recyclinggerechte Zerlegung des Produktes ist umso wahrscheinlicher, je unkomplizierter der Zerlegevorgang und je einfacher das hierfür notwendige Werkzeug ist.
   
  c) Untrennbare Verbindungen zwischen Komponenten aus gleichen Materialien behindern die Reparaturfähigkeit.  Sie können jedoch der gleichen Recyclingfraktion zugeordnet werden und führen daher nicht zu einer Ausschlußbewertung.
   
  Alle 28 Kriterien und die zugehörigen Bewertungsmaßstäbe wurden in entsprechender Weise hergeleitet.
   
   

Marktrecherche

  Um die Anwendbarkeit der Bewertungsmaßstäbe zu überprüfen und zur Veranschaulichung für die Einkäufer wurde eine Reihe von Gesprächen mit Möbelherstellern geführt sowie sieben Büromöbel auf Basis von Herstellerangaben beispielhaft bewertet. Die Stichprobe zeigt, daß bei 23 Kriterien mindestens einmal eine positive Bewertung (+) erfolgte und daß darüberhinaus Produkte auf dem Markt sind, die in allen 28 Kiterien mindestens die Stufe 2 (o) erfüllen.
   
  Zur Erleichterung des Einstiegs in die nachhaltige Beschaffung von Büromöbeln wurde im Rahmen einer Marktrecherche bei 88 Herstellern nach Informationen über die ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte gefragt. Beeindruckend war dabei deren großes Interesse am Thema: Von den Herstellern, mit denen telefonisch Kontakt aufgenommen wurde, wollten sich 97 % an der Befragung beteiligen. Der Anteil der Büromöbel-Hersteller, die fristgerecht antworteten war mit 31 % zwar geringer, es zeigte sich jedoch, daß die meisten dieser Hersteller (89 %) sich mit den ökologischen Eigenschaften ihrer Produkte besonders intensiv auseinandergesetzt hatten. Es wurden diejenigen Hersteller mit ihren Nennungen aufgelistet, die zu mindestens 10 der 28 Kriterien Aussagen machen konnten ohne jedoch die Merkmale einzelner Produkte zu bewerten. Inwieweit die Kriterien der Nachhaltigkeit von den Büromöbeln tatsächlich erfüllt werden, konnte nur beispielhaft (s.o.) überprüft werden.
   
  Der Leitfaden für die Einkäufer umfaßt darüberhinaus eine Handlungsanleitung, einen Fragebogen, der an die Hersteller geschickt werden kann sowie den vom Einkäufer auszufüllenden Bewertungsbogen
   
   
Resonanzen und Fazit
  Während sich einzelne Hersteller von Massivholzmöbeln in den formulierten Kriterien erstmals in ihren jahrelangen Bemühungen um ökologisch einwandfreie Produkte bestätigt sahen (WASA Möbel, In Casa Massivholzmöbel), reagierten andere mit teils heftiger Kritik auf die Diskriminierung einzelner Materialien. Ohne Nennung der jeweiligen Kritiker und Kritikerinnen soll im folgenden der Tenor der einzelnen Anmerkungen ohne Kommentierung wiedergegeben werden:
   
  a) Aluminium
In der Studie wird der Einsatz von Aluminium in Büromöbeln toleriert, aber nicht als nachhaltig bewertet. Nach Auffassung zweier Metallverbände erfüllt Aluminium hingegen die Kriterien der Nachhaltigkeit.
   
  b) Spanplatten
Die Bewertung von Spanplatten als akzeptable Schwachstelle (o) bei Formaldehyd- bz.w Isocyanatverzicht bzw. als nicht nachhhaltig (-) bei Verwendung von Formaldehyd bzw. Isocyanaten wurde von einem Möbelhersteller kritisiert, da hierin der einzige Verwertungsweg  für Industrieresthölzer sowie für Stangenhölzer aus der Forstwirtschaft gesehen wird. Darüberhinaus wurde bezweifelt, daß genügend Vollholz zur Verfügung steht, um alle Büromöbel aus Massivholz herzustellen.
   
 

c) Verbundverpackungen
In der Studie wird der Einsatz von Altmaterialien wie z.B. Verbundverpackungen ausgeschlossen. Hersteller von Materialien aus Verbundverpackungen sind der Meinung, daß beim Einsatz dieser Altstoffe die Qualitätseigenschaften des Materials weitgehend genutzt werden und es sich damit nicht, wie sonst häufig vermutet, um ein Downcycling bzw. eine versteckte Abfallentsorgung handelt. Platten aus diesen Materialien sind sogar besser recyclingfähig als Systeme aus Faser- oder Spanholz.

   
 

d) Methodik 
Es wurde vereinzelt kritisiert, daß die vereinfachte Anwendung von Bewertungsmaßstäben keiner ökobilanzellen Bewertung standhalten würde, und daß nur  durch Produktökobilanzen die wirklich nachhaltigen Produkte identifiziert werden können.

   
  Alle Anmerkungen und Kritiken werden derzeit weder von den Verfassern noch vom Herausgeber der Studie geteilt, da sie bisher nicht in ausreichendem Maße begründet werden konnten.  Dennoch soll nicht ausgeschlossen werden, daß einzelne Maßstäbe der Studie durch neue wissenschaftliche Erkenntnise überdacht oder modifiziert werden müssen.  Dies wird nur durch weitergehende Recherchen z.B. im Rahmen von Produktökobilanzen nachprüfbar sein.
   
  Die Vorteile der ökologischen Produktbewertung in der dargestellten Form liegen in ihrer  leichten Handhabbarkeit und geringen Zeit- und damit Kostenintensität. Die Nachteile liegen in der z.T. nicht unmittelbar nachvollziehbaren Begründung für die Festlegung einzelner Bewertungsmaßstäbe. Diese mangelnde Transparenz der Methode ist sicherlich ein Grund für die vielen kritischen Resonanzen von Rohstofflieferanten und Büromöbelherstellern. Die ökologische Produktbewertung kann zur orientierenden Bewertung von Produkten genutzt werden. Die Studie soll eine Hilfestellung für die ökologische Einordnung von Büromöbeln geben und einen Diskussionsprozeß aller Beteiligten entlang der Lebenslinie in Gang setzen. Die Studie ersetzt nicht die Erstellung von Produktökobilanzen, die auf rein quantitativer Basis einzelne Produkte oder Produktpaare analysieren und bewerten.
   
   
Literatur
  1 Loske, R. und R. Bleischwitz: Zukunftsfähiges Deutschland. Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Birkhäuser Verlag: Schweiz 1996.
 
 
   
Kontakt
  Ökopol: Dr. Dieter Grossmann
   
 
   
 
  Die Studie ”Nachhaltige Beschaffung von Büromöbeln ” ist zu beziehen über den Bundesverband für Umweltberatung e.V., Bornstraße  12-13, D-28195 Bremen. Tel. 0421/34 34 00, FAX: 0421/347 87 14
   
   Stand 4/2002