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Machbarkeitsstudie zur Unterstützung der Informationspflicht gemäß § 22 BiozidG/ChemG über alternative Maßnahmen zu Minimierung des Biozideinsatzes
 
 
 

Auftraggeber:
Umweltbundesamt, Berlin (Projektphase 1, FKZ 203 67 448)

Durchführung:
Stefan Gartiser, Hydrotox GmbH, Freiburg
Antonia Reihlen, Ökopol GmbH, Nernstweg 32, Hamburg
Dr. Klaus Schneider, FOBIG GmbH, Freiburg
Horst Kremers, Berlin

Laufzeit:
April 2004 - Oktober 2005

 
 
 
Hintergrund und Aufgabenstellung
Am 28. Juni 2002 trat das deutsche Biozid-Gesetz in Kraft, das im Wesentlichen die Umsetzung der Biozid-Richtlinie 98/8/EG in das Chemikaliengesetz (ChemG) regelt. Letzteres schreibt unter §22 Absatz 1a) Ziffer 5 vor, dass die Zulassungsstelle für Biozide "Informationen über physikalische, chemische und sonstige Maßnahmen als Alternative oder zur Minimierung des Einsatzes von Biozid-Produkten der Öffentlichkeit zur Verfügung" stellen soll.
Im Rahmen des Projektes wird eine Machbarkeitsstudie zur Unterstützung dieser Informationspflicht erstellt. Ziel ist es, das sehr breit gestreute Wissen zu bündeln und die Grundlagen für ein geplantes Informationssystem zu schaffen, wobei der unterschiedliche Informations- und Beratungsbedarf der künftigen Nutzer berücksichtigt wird. In einer 2. Projektphase sollen Vorschläge für weitere flankierende Maßnahmen zur Förderung von Alternativen zur Minimierung des Biozideinsatzes erarbeitet werden.

Das Forschungsvorhaben ist komplementär zu dem derzeit von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geförderten Projekt "Beschreibung der ordnungsgemäßen Verwendung und einzuhaltender guter fachlicher Praxis bei der Verwendung und Entsorgung von Biozid-Produkten" (F 1929), das von den gleichen Kooperationspartnern bearbeitet wird.

 
 
Ziel und erwartete Ergebnisse
Zunächst wird eine breite Basis (Grundlagenwissen) für alle relevanten 23 Biozid-Produktarten geschaffen, um Schwerpunkte hinsichtlich des Potentials alternativer Maßnahmen ermitteln zu können. Informationsgrundlagen hinsichtlich der Einsatzbereiche und Wirkstoffspektren von Biozidprodukten sind die Emissions-Szenario-Dokumente der EU (EUBEES), die Listen der 2. Review-Verordnung (EG) Nr. 2032/2003 der Kommission sowie diverse Übersichtsarbeiten der verschiedenen nationalen Behörden.

Ferner wird eine systematische Zusammenstellung verfügbarer biozidfreier Alternativen in den verschiedenen Branchen/Produktarten erarbeitet, wobei dem Nachweis der Gebrauchstauglichkeit ein hoher Stellenwert zukommt. Beispiele hierfür sind Alternativen zum vorbeugenden chemischen Holzschutz nach DIN 68800 oder thermische Verfahren gegen holzzerstörende Insekten. Desweiteren werden auch alternative/integrierte Maßnahmen zur Minimierung des Biozideinsatzes erarbeitet.

So ist u.a. geplant, die aktuelle Diskussion zum Einsatz von Desinfektionsreinigern oder anderen Desinfektionsmitteln im Haushalt zusammenzufassen. Ein wesentlicher Gesichtpunkt hierbei ist die Beschreibung des "Standes der Technik" in den jeweiligen Branchen/Bereichen, wie er sich aus den BREF-Dokumenten der EU und den nationalen wie internationalen Regelwerken ergibt. Informationsgrundlage sind Literatur-, Datenbank- und Internetrecherchen sowie Anfragen bei Verbänden, Universitäten und Fachleuten aus Industrie, Forschung und Behörden. Die Substitution von bedenklichen Bioziden durch besser zu bewertende Ersatzbiozide anhand einer vergleichenden Stoffbewertung ist hingegen kein primäres Ziel der 1. Projektphase.

Es werden Vorschläge für ein verbrauchernahes Informationssystem erarbeitet, wobei eine vertiefende Bearbeitung nur am Beispiel einiger Branchen/Produktarten geleistet werden kann. Zunächst wird eine Zusammenstellung der relevanten Quellen (Internet, Datenbanken, Normen, Label, Institute, Verbände, Verbraucherorganisationen, Umweltschutzgruppen, Fachleute etc.) erstellt. Hieraus wird ein Konzept entwickelt, wie diese Quellen systematisch und wiederkehrend ausgewertet und die Daten in das Infomationssystem eingespeist werden können, wobei hier Methoden des Qualitätsmanagements eingebunden werden sollen.

Als weiteren Teil des geplanten Informationssystems werden auch Informationen über geeignete Sachverständige aufgenommen, die eine spezifische Vor-Ort-Beratung der Nutzer oder Anwender durchführen könnten. Da die Bezeichnung "Sachverständiger" nicht geschützt ist, müssen Konzepte zu Akkreditierungsverfahren entwickelt werden. Im Rahmen des Projektes wird eine systematische Erhebung vorhandener Beratungsstrukturen durchgeführt und auf ihre Brauchbarkeit hin bewertet Die benötigte Infrastruktur eines geeigneten Informationssystems wird sich im Wesentlichen aus den erarbeiteten Grundlagen unter Berücksichtigung vorhandener Strukturen ableiten lassen. Durch eine interdisziplinäre Herangehensweise werden Möglichkeiten der Informationstechnologie mit Kommunikations- und Marketingstrategien verknüpft, um die Zielgruppen effektiv zu erreichen. Im Rahmen des Projektes sollen auch die benötigte Kapazität und die Kosten zur Aufarbeitung der Daten, Erstellung, Aktualisierung und Betrieb des Informationssystems abgeschätzt werden. Zudem werden Vorschläge zur Finanzierung erarbeitet.

In einer 2. Projektphase sollen Faktoren und geeignete Instrumente zur Förderung alternativer Maßnahmen (Innovationssystem) beschrieben und interne Workshops mit den beteiligten Akteuren durchgeführt werden. Zudem sollen Konzepte zur Öffentlichkeitsinformation entwickelt werden, um den Informationsfluss zu den Verbrauchern und Anwendern von Bioziden zu gewährleisten.
 
 
Ihre Ansprechpersonen sind
   
Dirk Jepsen