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Abfallwirtschaftskonzept Osterkirchenviertel

- gekürzte Fassung -

Die komplette Studie ist

zu bestellen.
 
 
 
 

im Auftrag der

Stadterneuerungs- und

Stadtentwicklungsgesellschaft

Hamburg mbH

(STEG)
 
 
 
 

Erstellt von

Knut Sander

Angelika Grauer
 
 

Hamburg, Juni 1996





1. Anlaß und Vorgehensweise
 

Die Bearbeitung der abfallwirtschaftlichen Situation stellt einen wichtigen Baustein eines ökologisch orientierten Sanierungskonzeptes dar. Im Rahmen der Sanierung im Osterkirchenviertel, dass sich in Hamburg-Altona befindet, wurde daher als ein erster Schritt ein Abfallwirtschaftskonzept erstellt. In ihm werden exemplarisch anhand des Blocks 210/13 (begrenzt durch Nernstweg, Gaußstraße, Bei der Osterkirche, Zeißstraße) die drei wesentlichen Handlungsbereiche Vermeidung, Getrenntsammlung und Restmüllerfassung bearbeitet.
 

Das vorliegende Konzept orientiert sich in mehreren Punkten nicht an den Anforderungen an Abfallwirtschaftskonzepte, wie sie z.B. im Anhang zur TA-Siedlungsabfall beschrieben werden oder von bundesweiten Arbeitskreisen (z.B. ATV-Arbeitskreis) diskutiert werden (z.B. Anforderungen an die Datengrundlage, Berücksichtigung der Entsorgungsstruktur, Datenprognose, technisch-wirtschaftlich-ökologischer Vergleich verschiedener Planungsvarianten, etc). Die dort beschriebenen Anforderungen sind in weiten Teilen nicht auf kleinräumliche Konzepte anwendbar. Darüberhinaus zwang auch ein enger Projektrahmen zur Beschränkung. Mit dem vorliegenden Konzept ist jedoch an vielen Stellen eine effektive Fokussierung der Betrachtung gelungen. Dies vor allem auch deshalb, weil nicht ausschließlich konzeptionell gearbeitet wurde. Vielmehr wurden einzelne Elemente bis in die erste Umsetzung hinein entwickelt, wodurch viertelspezifische Gegebenheiten eine sehr weitgehende Berücksichtigung finden konnten.
 

Der Block 210/13 stellt das Kerngebiet der Untersuchung dar. In einigen Fällen wurde die Betrachtung auf das gesamte Sanierungsgebiet ("erweitertes Untersuchungsgebiet") ausgeweitet (Restmüllentsorgung, abfallwirtschaftliche Brennpunkte, Getrenntsammeleinrichtungen im öffentlichen Raum, Vermeidung im Bereich Ver- und Gebrauchsgüter). Zur Abgrenzung siehe Abb. 1.

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Abbildung 1: Osterkirchenvirtel

 

Der folgende Text faßt die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und stellt die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen dar.


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2. Zusammenfassung
 

Vermeidung

Die Rahmenbedingungen für die Realisierung eines abfallarmen Lebensstils sind in weiten Teilen unzureichend. Sowohl was die kurzlebigen Verbrauchsgüter als auch die längerlebigen Gebrauchsgüter anbelangt, muß für die Realisierung nicht nur ein erheblicher Zeitaufwand betrieben werden. Vielmehr zeigte sich, daß beim gewählten Warenkorb auch die Kosten für einen abfallarmen Einkauf teilweise mehr als 80 % höher sind, als beim abfallreichen Einkauf. Und auch die Abfallvermeidung durch Mieten statt Kaufen stellt sich unter finanziellen Gesichtspunkten als weitgehend unvorteilhaft dar. Erschwerend kommt hinzu, daß bei den Abfallgebühren keine entsprechende Entlastung für die Reduktion der Abfallmengen möglich ist. Bei Mehrkosten von ca. 700.- DM für den gewählten Warenkorb in der abfallarmen Variante erzielt man eine Mengenreduktion von ca. 220 l. Nur wenn die Entsorgung eines Liter Abfall über 3.-DM kosten würde, würde sich der abfallarme Einkauf "rechnen"(1) (derzeit: < 1.-/l). Eine solche Gebührenerhöhung wäre jedoch kaum zumutbar. Die Flut der Werbematerialien, die in den Häusern des Osterkirchenviertels verteilt werden, stellt ein weiteres Problem dar, dessen Bearbeitung jedoch kurzfristiger und einfacher ist.
 

Verwertung

Trotz der sehr beengten Platzverhältnisse im Viertel zeigte sich, daß ein großes Potential für den Ausbau der Eigenkompostierung vorhanden ist. Bei effektiver Umsetzung kann dieser Bereich zur mengenrelevantesten Einzelmaßnahme werden, durch die die öffentliche Entsorgung von Abfällen entlastet wird.

Die Infrastruktur zur Getrenntsammlung von Abfällen im öffentlichen Raum weist deutliche Lücken auf. Dies liegt vor allem darin begründet, daß die Sachsammlung angesichts der schon jetzt bestehenden Verunreinigung der Straßen und Gehwege kein geeignetes System für dieses Viertel darstellt. Soweit hierzu Daten verfügbar waren, zeigte sich, daß die Ausstattungsdichte von grundstücksbezogene Behälter vergrößerbar ist. Fehlende Freiflächen auf den Grundstücken stellen dabei oft ein entscheidendes Problem dar. Für Abfälle, die nicht alltäglich anfallen (Problemstoffe, Sonderverpackungen, etc.) sind ausreichend Abgabemöglichkeiten vorhanden.

Die für die beiden Betriebe der Druckbranche vorgeschlagenen Maßnahmen müßten durch eien weitergehende Beratung begleitet werden. Zur Überprüfung ihrer Wirksamkeit sollte für das Jahr 1996 eine entsprechende Datenerhebung durchgeführt werden.
 

Entsorgung

Für viele BewohnerInnen am vordringlichsten ist das Problem der Verschmutzung des öffentlichen Raums. Die Untersuchung ergab, daß in den meisten Fällen ein ungeeignetes Restmüllsammelsystem ausschlaggebend für diese Problematik ist. Die Bearbeitung der Problematik der Umstellung der Sackabfuhr auf feste Behälter konnte nur in einem Fall gelöst werden. Im anderen Fall mußte die Bearbeitung leider aufgrund ungeeigneter Belegenheiten zu einem relativ frühen Zeitpunkt abgebrochen werden.


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3. Handlungsempfehlungen
 

Eine Einflußnahme auf die abfallwirtschaftliche Situation sollte auf zwei Ebenen erfolgen.

In bezug auf die Verunreinigung des öffentlichen Raums, die Vermeidung von Abfällen durch Gemeinschaftsnutzung, die Kompostierung als auch auf die gemeinsame Nutzung von Getrenntsammelbehältern spielt die Frage der sozialen Kontakte wie dargestellt eine große Rolle. Hier sollte Öffentlichkeitsarbeit ansetzen, die zunächst nicht abfallbezogen orientiert sein sollte (negativer Flair des Themas), sondern auf Imagebildung und eine Identifikation der BewohnerInnen mit "ihrem" Viertel abzielt. Darüberhinaus schlagen wir vor, ein Initiativ-Beratungsprogramm für die AbfallerzeugerInnen umzusetzen. Entsprechend den Ergebnissen dieses Abfallwirtschaftskonzepts sollte es vier tragende Säulen beinhalten:
 

Erzeugung einer "Vermeidungsstimmung"

Die Förderung abfallarmer Einkaufsmöglichkeiten und der Aufbau einer verstärkten Nachfrage nach abfallarmen Produkten muß gegen den zusätzlichen finanziellen und organisatorischen Aufwand für den Abfallerzeuger durchgesetzt werden. Hierzu bedarf es vielschichtiger Motivationsarbeit. Zunächst sollte versucht werden, durch einfach durchzuführende Aktionen das Thema Abfall stärker ins Bewußtsein zu rücken. Hierzu bietet sich das Thema "Werbematerialien" an (s.o. Kapitel "Vermeidung"):

Verteilen von Aufklebern für Briefkästen an die BewohnerInnen, nach denen der Einwurf von Werbematerial verboten wird,

Verteilung der Adresse der "Robinson-Liste" mit vorgedruckten Postkarten, durch die Werbesendungen per Post in weiten Teilen verhindert werden können,

Verteilung von Hinweisschildern an Hausbesitzer und Verwaltungsgesellschaften, daß im Flur keine Werbung abgelegt werden darf,

in Zusammenarbeit mit dem Altonaer Wochenblatt werden in den Häusern Schilder angebracht, auf denen die maximale Anzahl der gewünschten Zeitungen vermerkt ist.

In einem zweiten Schritt sollte versucht werden, das Thema Abfall als Werbeinstrumentarium im Ottensener Einzelhandel zu plazieren. Dies kann z.B. geschehen durch abfallorientierte "Öko-Label", die die Geschäfte im Rahmen einer Gesamtaktion "Abfallarmes Ottensen" erhalten, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Eine Kooperation mit dem Verein Minimüll e.V. sollte gesucht werden. Parallel hierzu sollte ein kleiner "Einkaufsführer für ein abfallarmes Ottensen" erstellt werden, in dem im Sinne eines Nachschlagewerkes aufgeführt wird, wo Produkte abfallarm angeboten werden.

Da sich kaum Häuser im Osterkirchenviertel im Treuhandvermögen der STEG befinden, kann auch die Vermeidung von Abfällen aus dem Bereich der langlebigen Gebrauchsgüter (s.o. Kapitel Vermeidung) nur über Motivation der ViertelbewohnerInnen erfolgen. Parallel hierzu sollte das Gespräch mit Vermietern gesucht werden, die gerade einen Umbau ihres Hauses planen. Ziel ist es hierbei, sie von der Förderung der Nachbarschaftsnutzung zu überzeugen, wie z.B. durch die Einrichtung von Gemeinschaftsräumen.
 

Initiativberatung zur Eigenkompostierung

Während die begleitende Beratung zur Eigen- und Nachbarschaftskompostierung ausreichend besetzt ist, besteht im Bereich der Initiativberatung ein deutliches Defizit. Durch sie sollten gezielt die Haushalte angesprochen werden, die Zugang zu einem Garten besitzen (75 % der Grundstücke im Kerngebiet). Über die SRH oder die STEG sollten flankierend subventionierte Komposter zur Verfügung gestellt werden. Der möglicherweise in anderen Gebieten eingetretene Effekt der inzwischen eingestellten "Anschubförderung" [AWP 1995] ist im Osterkirchenviertel nicht deutlich. Für solche BewohnerInnen, die auf ihrem Balkon kompostieren wollen, sollten Schnellkomposter subventioniert werden. Hier sollte die Kooperation mit dem Verein Nutzmüll e.V. gesucht werden, der das Viertel sehr gut kennt.

Um die Ergebnisse der Kompostierung nicht zu gefährden, müssen bei steigenden Beteiligungsquoten Absatzmöglichkeiten für den fertigen Kompost entwickelt werden. Dabei sollten auch im Sinne der o.g. "Imagebildung" viertelbezogene Anwendungen im Vordergrund stehen (Begrünung von Flachdächern wie im Werkhof, Verbesserung der Bodensituation auf Beeten, Anwendung in der direkten Nachbarschaft des Viertels, etc.). Im Rahmen der nächsten Änderung der Gebührensatzung sollte darüberhinaus von der Stadt Hamburg überprüft werden, inwieweit eine Reduktion des Mindestbehältervolumens bei nachgewiesener Eigenkompostierung ähnlich der bei der Einführung der Biotonne möglich ist.
 

Verbesserung der Infrastruktur für eine Getrenntsammlung von Wertstoffen

Vorrangig ist hier die Aufgabenstellung, sowohl bei Privathaushalten als auch bei Gaststätten die Biotonne einzuführen. Hier kommt es derzeit im wesentlichen darauf an, eine erste Bereitschaft zur Aufstellung zu erzeugen. Hierzu müßten die BewohnerInnen über mögliche Verringerungen der Müllgebühren informiert und bei der konkreten Organisation unterstützt werden. Um mögliche Aufsteller zu finden, sind genaue Kenntnisse des Viertels und sicherlich auch viele Gespräche und Kontakte mit den BewohnerInnen notwendig. Die so gewonnenen Interessenten können dann von der Projektgruppe Biotonne der Stadtreinigung Hamburg oder dem Verein Nutzmüll e.V. weiter beraten werden. Parallel hierzu sollten Gespräche mit der Stadtreinigung Hamburg mit dem Ziel geführt werden, den Abfuhrrhythmus für die Biotonne auf einen wöchentlichen Turnus umzustellen. Dabei wird es wichtig sein darzustellen, daß dies keinen Präzedenzfall für das gesamte Stadtgebiet bedeutet, sondern nur für ähnlich dicht bebaute Gebiete vordringlich ist.

Aus abfallwirtschaftlicher Sicht erwies sich von den drei untersuchten potentiellen Standplätzen für Depotcontainer das Grundstück Zeißstraße 10 am geeignetsten. Der Aufwand für die Herrichtung des Platzes und der Nutzungskonflikt sollten durch eine geeignete Bebauung und die Wahl von Containern, die nicht per Kran angehoben werden müssen lösbare Probleme darstellen. Hier sind im wesentlichen koordinierende Gespräche zwischen den beteiligten Akteuren (Finanzbehörde, Stadtplanung, Tiefbau, ARGE DSH, etc.) zu führen. Außerdem sollten als weitere Plätze zur Aufstellung von Depotcontainern der Paul-Nevermann-Platz Ecke Hahnenkamp - Scheel-Plessen-Straße sowie die Rückseite des "Mercado" Höhe Kleine Rainstraße überprüft werden.

Die Einführung der Getrenntsammlung von Leichtverpackungen könnte einen relevanten Beitrag zu Verminderung des Restmüllvolumens leisten. Als wesentliche Probleme stellen sich die ungeklärten Fragen nach der ökologischen Sinnhaftigkeit und das Platzproblem gerade bei Einzelhandelsgeschäften in der Bahrenfelder Straße und der Ottenser Hauptstraße dar. Daher kann nicht empfohlen werden, diese Fraktion als Beispielfall für die Aufstellung von Wertstoffbehältern im öffentlichen Raum auszuwählen.
 

Zielbereich Verunreinigung der Straßen: Umstellung der Sackentsorgung auf feste Behälter

Ebenso wie die Umstellung der Sackabfuhr auf feste Behälter ist auch die Aufstellung von Wertstoffbehältern in vielen Fällen nur dann möglich, wenn in den öffentlichen Raum ausgewichen werden kann. Zur Bearbeitung der Problematik empfehlen wir, zunächst eine Modellbelegenheit auszuwählen, bei der:

vor dem Haus Freiflächen vorhanden sind
auf dem Grundstück und im Haus keine Stellmöglichkeiten existieren
nach Möglichkeit direkt umliegend weitere Häuser mit Sackentsorgung liegen, die an denselben festen Behälter im öffentlichen Raum angeschlossen werden könnten.


Im Kerngebiet eignet sich von den räumlichen Voraussetzungen vor allem der Nernstweg. Die Gaußstraße weist ebenso wie die Zeißstraße zu geringen Platz auf den Gehwegen auf.

Bei den Planungen anhand dieser Modellbelegenheit sollten Wertstoffbehälter, wie z.B. die Biotonne mit einbezogen werden, um das öffentliche Interesse (Restmüllverringerung) deutlich zu machen und die Diskussion vor dem Hintergrund von Standplätzen für Depotcontainern im öffentlichen Raum führen zu können. Insgesamt zeigte die Untersuchung jedoch auch, daß eine Entscheidung über die Aufstellung von Restmüllbehältern im öffentlichen Raum auf der Politikebene gefällt werden muß. Diese Entscheidung muß jedoch detailliert vorbereitet werden.

Des weiteren müßten den BewohnerInnen die Vorteile der Sperrmüllabfuhr auf Bestellung nähergebracht werden bwz. der Stadtreinigung Hamburg die Probleme auf Seite der NutzerInnen verdeutlicht werden.

Die aufgeführten Vorschläge zur Verbesserung der abfallwirtschaftlichen Situation im Osterkirchenviertel machen deutlich, daß eine Stelle notwendig ist, die vor allem die Aktivitäten initiiert und koordiniert. Durch Kooperationen mit vorhandenen Akteuren kann sicherlich der laufende Arbeitsaufwand in vielen Fällen reduziert werden. Nach unserer Einschätzung sollte ein solches Programm innerhalb eines Jahres bearbeitet werden und die Ergebnisse anschließend zu einer Optimierung der Vorgehensweise überprüft werden. Als Grundlage für eine solche Analyse sollte eine genauere Erfassung der viertelspezifischen Abfallmengen und -zusammensetzungen vorhanden sein. Die derzeit vorliegenden Daten reichen hier in keinem Fall aus.

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1. Zusätzlich zu berücksichtigen wären hier bei einer detaillierten Betrachtung die Lizenzgebühren für den "Grünen Punkt".